Julia Camerons The Artist's Way: Kreativität als Big-Five-Merkmal

Ein aufgeschlagenes leeres Notizbuch mit einem darauf liegenden Stift neben einer Tasse Kaffee im frühen Morgenlicht am Fenster

Julia Camerons The Artist's Way hat sich millionenfach verkauft, auf einer unmodernen Behauptung: dass Kreativität eine ganz gewöhnliche Ausstattung sei, etwas, das die meisten Menschen in sich tragen und nur wenige nutzen. In einem Interview mit Psychology Today sagt sie es unumwunden: "Ich habe argumentiert, dass wir alle die Fähigkeit haben zu schreiben. Dass Schreiben so normal ist wie Sprechen." Die Big Five ordnen genau diese Fähigkeit unter einem anderen Namen ein.

Kreativität sind zwei Facetten der Offenheit

Was Cameron den Künstler nennt, sind größtenteils zwei Facetten, die unter der Offenheit liegen. Fantasie (O1) ist das Innenleben: die Tagträume und Ideen, die Bereitschaft, sich vorzustellen, was nicht vor einem liegt. Künstlerische Interessen (O2) ist der Zug zur Kunst und der Drang, Dinge zu erschaffen. Punktest du auf beiden hoch, bist du Camerons blockierter Künstler im Wartestand, denn das Rohmaterial ist bereits da. Ihr Argument lautet, dass die meisten Menschen, die sich unkreativ fühlen, auf diesen Merkmalen höher punkten, als sie glauben, und was sie aufhält, ist eine Schicht Selbstkritik, die obendrauf sitzt.

Das charakteristische Werkzeug des Buches, drei handgeschriebene Seiten als Erstes jeden Morgen, zielt geradewegs auf diese Schicht. Was dabei zutage tritt, beschreibt Cameron in einem weiteren Interview: "Je tiefer ich in meine Praxis eintauche, desto mehr habe ich erkannt, dass es Ahnungen, Intuitionen und Ideen gibt, die mir durch das Schreiben kommen und auf keine andere Weise." Die Seiten steigern deine Offenheit nicht. Sie drehen die Lautstärke des inneren Kritikers herunter, der darauf beharrt, dass nichts, was du machst, etwas taugt, dieselbe Stimme, die bei Menschen am lautesten läuft, die sich wie Betrüger fühlen, egal was sie hervorbringen.

Das Merkmal setzt also die Obergrenze, und die Praxis räumt den Weg dorthin frei. Fantasie und Künstlerische Interessen sind zwei der dreißig Facetten, die der Test bewertet, und sie treten meist gemeinsam auf, sodass eine hohe O1 in der Regel eine ordentliche O2 direkt daneben hat.

Lies das Buch: The Artist's Way: A Spiritual Path to Higher Creativity von Julia Cameron.

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Forschungsnachweise

Cameron, J. (1992). The artist's way: A spiritual path to higher creativity. Tarcher/Putnam.

McCrae, R. R. (1987). Creativity, divergent thinking, and openness to experience. Journal of Personality and Social Psychology, 52(6), 1258-1265.

Johnson, J. A. (2014). Measuring thirty facets of the Five Factor Model with a 120-item public domain inventory: Development of the IPIP-NEO-120. Journal of Research in Personality, 51, 78-89.

Costa, P. T., & McCrae, R. R. (1992). Revised NEO Personality Inventory (NEO-PI-R) professional manual. Psychological Assessment Resources.